Die Vereinigten Staaten von Amerika, das Britische Reich, Frankreich, Italien und Japan,

die in dem gegenwärtigen Vertrage als die alliierten und assoziierten Hauptmächte bezeichnet sind;

Belgien, China, Cuba, Griechenland, Nicaragua, Panama, Polen, Portugal, Rumänien, der serbisch-kroatisch-slowenische Staat, Siam und die Tschecho-Slowakei,

die mit den oben bezeichneten Hauptmächten die alliierten und assoziierten Mächte bilden,

einerseits

und Österreich,

andrerseits

in Anbetracht,

daß auf den Antrag der ehemaligen k. u. k. österreichisch-ungarischen Regierung am 3. November 1918 von den alliierten und assoziierten Hauptmächten Österreich-Ungarn ein Waffenstillstand gewährt wurde, damit ein Friedensvertrag geschlossen werden könne;

daß die alliierten und assoziierten Mächte ebenfalls von dem Wunsche geleitet werden, an die Stelle des Krieges, in den einige von ihnen nacheinander unmittelbar oder mittelbar gegen Österreich-Ungarn hineingezogen worden sind und der in der Kriegserklärung der ehemaligen k. u. k. österreichisch-ungarischen Regierung an Serbien vom 28. Juli 1914 und in den von Deutschland, dem Bundesgenossen Österreich-Ungarns, durchgeführten Feindseligkeiten seinen Ursprung hat, einen festen, gerechten und dauerhaften Frieden treten zu lassen;

in Anbetracht, daß die ehemalige Österreichisch-ungarische Monarchie heute aufgehört hat zu existieren und daß an ihre Stelle in Österreich eine republikanische Regierung getreten ist;

daß die alliierten und assoziierten Hauptmächte anerkannt haben, daß der tschecho-slowakische Staat, in dessen Gebiet ein Teil der Gebiete der erwähnten Monarchie einverleibt ist, einen freien, unabhängigen und verbündeten Staat bildet;

daß die erwähnten Mächte ebenso die Vereinigung gewisser Gebietsteile der erwähnten Monarchie mit dem Gebiete des Königreiches Serbien als freien,  unabhängigen und verbündeten Staat unter dem Namen serbisch-kroatisch-slowenischer Staat anerkannt haben;

in Anbetracht der Notwendigkeit, bei der Wiederherstellung des Friedens die Lage, die sich aus der Auflösung der erwähnten Monarchie und aus der Errichtung der erwähnten Staaten ergeben hat, zu regeln und der Regierung dieser Länder dauerhafte Grundlagen zu geben, welche der Gerechtigkeit und Billigkeit entsprechen;

zu diesem Zweck sind die Hohen vertragschließenden Teile, die wie folgt, vertreten sind:

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika durch:
den Ehrenwerten Frank Lyon Polk, Unterstaatssekretär,
den Ehrenwerten Henry White, ehemaligen außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter der Vereinigten Staaten in Rom und Paris,
den General Tasker H. Bliß, Militärbevollmächtigten der Vereinigten Staaten beim Obersten Kriegsrat;

Seine Majestät der König des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland und der Britischen überseeischen Besitzungen, Kaiser von Indien, durch:
den Sehr Ehrenwerten Arthur James Balfour, O.M., M.P., Staatssekretär für die auswärtigen Angelegenheiten,
den Sehr Ehrenwerten Andrew Bonar Law, M.P., Großsiegelbewahrer,
den Sehr Ehrenwerten Viscount Milner, G.C.B., G.C.M.G, Staatssekretär für die Kolonien,
den Sehr Ehrenwerten George Nicoll Barnes, M.P., Minister ohne Portefeuille;

und

für das Dominium Canada durch:
den Ehrenwerten Sir Albert Edward Kemp, K.C.M.G., Minister der überseeischen Streitkräfte;

für den Australischen Bund durch:
den Sehr Ehrenwerten George Forster Pearce, Minister der Verteidigung;

für die Südafrikanische Union durch:
den Sehr Ehrenwerten Vicomte Milner, G.C.B., C.M.G.;

für das Dominium Neuseeland durch:
den Sehr Ehrenwerten Sir Thomas Mackenzie, K.C.M.G., High Commissioner für Neuseeland im Vereinigten Königreich;

für Indien durch:
den Sehr Ehrenwerten Baron Sinha, K.C., Unterstaatssekretär für Indien;

Der Präsident der Französischen Republik, durch:
Herrn Georges Clemenceau, Ministerpräsidenten, Kriegsminister,
Herrn Stephen Pichon, Minister der auswärtigen Angelegenheiten,
Herrn Louis-Lucien Klotz, Finanzminister,
Herrn André Tardieu, Generalkommissar für die französisch-amerikanischen Kriegsangelegenheiten,
Herrn Jules Cambon, französischen Botschafter;

Seine Majestät der König von Italien, durch:
den Ehrenwerten Tommaso Tittoni, Senator des Königreiches, Minister für auswärtige Angelegenheiten;
den Ehrenwerten Vittorio Scialoja, Senator des Königreiches,
den Ehrenwerten Maggiorino Ferraris, Senator des Königreiches,
den Ehrenwerten Guglielmo Marconi, Senator des Königreichs,
den Ehrenwerten Silvio Crespi, Abgeordneten;

Seine Majestät der Kaiser von Japan, durch:
den Viscount Chinda, außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter Sr. M. des Kaisers von Japan in London,
Herrn K. Matsui, außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter Sr. M. des Kaisers von Japan in Paris,
Herrn H. Jjuin, außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafter Sr. M. des Kaisers von Japan in Rom;

Seine Majestät der König der Belgier, durch:
Herrn Paul Hymans, Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Staatsminister,
Herrn Jules von den Henvel, außerordentlichen  Gesandten und bevollmächtigten Minister, Staatsminister,
Herrn Emile Vandervelde, Justizminister, Staatsminister;

der Präsident der Chinesischen Republik, durch:
Herrn Lou Tseng-Tsiang, Minister der auswärtigen Angelegenheiten,
Herrn Chengting Thomas Wang, ehemaligen Minister für Ackerbau und Handel;

der Präsident der Republik Cuba, durch:
Herrn Antonio Sanches de Bustamante, Dekan der juristischen Fakultät der Universität Havana, Präsident der Cubanischen Gesellschaft für Völkerrecht;

Seine Majestät der König der Hellenen, durch:
Herrn Nicolas Politis, Minister der auswärtigen Angelegenheiten,
Herrn Athos Romanos, außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister bei der französischen Republik;

der Präsident der Republik Nicaragua, durch:
Herrn Salvador Chamorro, Präsidenten der Kammer der Abgeordneten;

der Präsident der Republik Panama, durch:
Herrn Antonio Burgos, außerodentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister von Panama in Madrid;

der Präsident der Polnischen Republik, durch:
Herrn Ignaz J. Paderewski, Präsidenten des Ministerrates, Minister der auswärtigen Angelegenheiten,
Herrn Roman Dmowski, Präsidenten des polnischen Nationalkomitees:

der Präsident der Portugiesischen Republik, durch:
den Dr. Affonso Costa, ehemaligen Präsidenten des Ministerrates,
den Dr. Augusto Luiz Vieira Soares, ehemaligen Minister der auswärtigen Angelegenheiten;

Seine Majestät der König von Rumänien, durch:
Herrn Nicolas Misu, außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Rumäniens in London,
den Dr. Alexander Vaida-Voevod, Minister ohne Portefeuille;

Seine Majestät der König der Serben, Kroaten und Slovenen ,durch:
Herrn N. P. Paschitsch, ehemaligen Präsidenten des Ministerrats,
Herrn Ante Trumbic, Minister der auswärtigen Angelegenheiten,
Herrn Joan Zolger, Doktor der Rechte;

Seine Majestät der König von Siam, durch:
Seine Hoheit den Fürsten Charonn, außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Sr. M. des Königs von Siam in Paris,
Seine durchlauchtigste Hoheit den Fürsten Traidos Prabandhu, Unterstaatssekretär der auswärtigen Angelegenheiten;

der Präsident der Tschecho-Slowakischen Republik, durch:
Herrn Karel Kramár, Präsidenten des Ministerrats,
Herrn Eduard Benes, Minister der auswärtigen Angelegenheiten;

die Republik Österreich durch:
Herrn Karl Renner, Kanzler der Republik Österreich;
 

nach Austausch ihrer für gut und richtig befundenen Vollmachten über die folgenden Bestimmungen übereingekommen:
 

Mit dem Inkraftreten des gegenwärtigen Vertrags nimmt der Kriegszustand ein Ende.

Von diesem Augenblick an und unter Vorbehalt der Bestimmungen des gegenwärtigen Vertrags werden amtliche Beziehungen der alliierten und assoziierten Mächte mit der Republik Österreich bestehen.


Quellen: Staatsgesetzblatt für die Republik Österreich, Nr. 303/1920
Texte zur österreichischen Verfassungs-Geschichte, Geyer-Edition, Wien 1970
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