Teil. II.
Bulgariens Grenzen.

Artikel 27.

Die Grenzen Bulgariens werden wie folgt festgesetzt (vergleiche die beigefügte Karte).

1. Gegen den serbisch-kroatisch-slovenischen Staat:

Vom Zusammenflusse des Timok mit der Donau, dem Treffpunkte der drei Grenzen Bulgariens, Rumäniens und des serbisch-kroatisch-slovenischen Staates nach Süden bis zu einem am Flußlaufe des Timok zu wählenden und nahe der Kote 38 westlich von Bregovo gelegenen Punkte:
    der Lauf des Timok stromaufwärts;

von dort nach Südwesten bis zu einem östlich von Vk. Izvor gelegenen Punkte, wo die ehemalige Grenze zwischen Serbien und Bulgarien den Fluß Bezdanica berührt:
    eine im Gelände noch zu bestimmende Linie, welche über die Koten 274 und 367 verläuft und im allgemeinen der Wasserscheide zwischen dem Flußgebiete des Timok im Nordwesten und dem Flußgebiete der Delejna und Topolovica im Südosten folgt, wobei dem serbisch-kroatisch-slovenischen Staate die Orte Kojilovo, Sipikovo und Halovo (sowie die diese beiden Orte verbindenden Straße) und Bulgarien die Orte Bregovo, Rakitnica und Kosovo belassen werden;

von dort nach Süden bis zur Kote 1720 ungefähr 12km westsüdwestlich von Berkovica:
    die ehemalige Grenze zwischen Bulgarien und Serbien;

von dort südöstlich in einer Entfernung von etwa 1500 m bis zur Kote 1929 (Srebrena gl.):
    eine auf dem Kamme des Kom Balkan zu bestimmende Linie

von dort südsüdwestlich bis zur Kote 1109 (auf der Vidlič Gora südlich von Vlkovija):
    eine im Gelände noch zu bestimmende Linie, welche über die Koten 1602 und 1344 und östlich von Grn. Krivodol verläuft und den Fluß Komstica etwa 1500 m oberhalb Dl. Krivodol schneidet;

von dort bis zu einem Punkte an der Straße Caribrod - Sofia, welcher unmittelbar östlich von der Stelle liegt, wo die Straße nach Kalotina abzweigt:
    eine im Gelände noch zu bestimmende Linie, welche östlich von Mözgos und westlich von Staninci, östlich von Brebevnica und über die Kote 738 nordöstlich von Lipinci verläuft;

von dort nach Westsüdwesten bis zu einem am Flußlaufe der Lukavica etwa 1100 m nordöstlich von Slivnica zu wählenden Punkte:
    eine im Gelände noch zu bestimmende Linie;

von dort nach Süden bis zum Zusammenflusse der Lukavica (westlich von Visan) mit dem Flüßchen, an dem das Dorf Fl. Nevlja gelegen ist:
    der Lauf der Lukavica stromaufwärts;

von dort nach Südwesten bis zum Zusammenflusse eines Baches mit dem Flusse Jablanica westlich von Vrabca:
    eine im Gelände noch zu bestimmende Linie, welche über die Kote 879 verläuft und die Straße von Trn nach Caribrod unmittelbar südlich von der Stelle schneidet, wo von dieser Straße die direkte Straße von Trn nach Pirot abzweigt;

von dort nach Norden bis zum Zusammenflusse der Jablanica mit dem Flusse Jerma (Trnska):
    der Lauf der Jablanica;

von dort nach Westen bis zu einem auf der ehemaligen Grenze an dem Ausläufer in der Nähe von Deskanij-Kladenac zu wählenden Punkte:
    eine im Gelände noch zu bestimmende Linie, welche auf dem Rücken Ruj Planina über die Koten 1199, 1466 und 1706 verläuft;

von dort nach Südwesten bis zur Kote 1516 (Golema Rudina) ungefähr 17 km westlich von Trn:
    die ehemalige bulgarisch-serbische Grenze;

von dort nach Süden bis zu einem am Flusse Jerma (Trnska) östlich von Strezimirovci zu wählenden Punkte:
    eine im Gelände noch zu bestimmende Linie;

von dort nach Süden bis zum Flusse Dragovičiva unmittelbar unterhalb der Vereinigung der Flüsse in der Nähe der Kote 672:
    eine im Gelände noch zu bestimmende Linie, welche westlich von Dzinkovci über die Koten 1112 und 1329 verläuft, dem Wasserscheidenkamme zwischen dem Flußgebiete der Bozicka und Meljanska folgt und über die Koten 1731, 1671, 1730 und 1058 führt;

von dort nach Südwesten bis zur ehemaligen bulgarisch-serbischen Grenze auf der Kote 1333, etwa 10 km nordwestlich von dem Punkte, wo die Straße von Kriva (Egri)-Palanka nach Kystendil diese Grenze schneidet:
    eine im Gelände noch zu bestimmende Linie, welche der Wasserscheide zwischen der Dragovičica im Nordwestenund der Lomnica und Sovolstica im Südosten folgt;

von dort nach Südosten bis zur Kote 1445 auf der Mala Planina südwestlich von Dobrilaka:
    die ehemalige bulgarisch-serbische Grenze;

von dort nach Südsüdwesten bis zum Berge Tumba (Kote 1253) auf der Belašicka Planina, dem Treffpunkte der drei Grenzen Griechenlands, Bulgariens und des serbisch-kroatisch-slovenischen Staates:
    eine im Gelände noch zu bestimmende Linie, welche über die Kote 1600 auf der Ograjdenska Planina, östlich von Stinek und Badilen, westlich von Bajkovo verläuft, die Strumica etwa 3 km östlich von der Kote 177 schneidet und östlich von Gabrinovo verläuft.

2. Mit Griechenland:

Von dem vorbezeichneten Punkte bis zu dem Punkte, wo die Grenze vom Jahre 1913 die Linie der Wasserscheide zwischen dem Flußgebiete der Mesta-Karasu im Süden und der Marica im Norden verläßt, in der Nähe der Kote 1587 (Dibikli):
    die Grenze zwischen Bulgarien und Griechenland vom Jahre 1913.

3. Im Süden mit den Gebieten, deren Zuteilung durch die alliierten und assoziierten Hauptmächte später erfolgen wird:

Von dort nach Osten bis zur Kote 1295 ungefähr 18 km westlich von Kučuk-Derbend:
    eine im Gelände noch zu bestimmende Linie, welche der Wasserscheide des Flußgebietes der Marica im Norden und der Mesta-Karasu sowie der sich direkt ins ägäische Meer ergießenden Flüsse im Süden folgt;

von dort nach Osten bis zu einem auf der ehemaligen bulgarisch-türkischen Grenze vom Jahre 1913 etwa 4 km nördlich von Kučuk-Derbend zu wählenden Punkte:
    eine im Gelände noch zu bestimmende Linie, welche unlichst dem Höhenzuge folgt, der im Süden das Gebiet Akčehisar (Dzuma) Suju begrenzt;

von dort nach Norden bis zu dem Treffpunkte mit dem Flusse Marica:
    die Grenze vom Jahre 1913;

von dort bis zu einem etwa 3 km unterhalb des Bahnhofes in Hadi-K. (Kadikoj) zu wählenden Punkte:
    der Hauptlauf der Marica stromaufwärts;

von dort nach Norden bis zu einem Punkte, welcher an der Spitze des Ausläufers zu wählen ist, den die Grenze nach dem Vertrage von Sofia vom Jahre 1915 etwa 10 km ostsüdöstlich von Svilen (Jisr Mustafa Pascha) bildet:
    eine im Gelände noch zu bestimmende Linie;

von dort nach Osten bis zum Schwarzen Meere:
    die Grenze nach dem Vertrage von Sofia vom Jahre 1915, dann die Grenze vom Jahre 1913.

das vorstehende, von Bulgarien abzutretende Gebiet wird nachfolgend als "Thrazien"  bezeichnet. Es war der Zugang Bulgariens zum Ägäischen Meer, der von den alliierten und assoziierten Hauptmächten nach dem Inkrafttreten des Friedensvertrages an Griechenland übergeben wurde.

4. Das Schwarze Meer.

5. Mit Rumänien:

Vom Schwarzen Meere bis zur Donau:
    die Grenze vom 1. August 1914;

von dort bis zum Zusammenfluß der Timok mit der Donau:
    die Hauptfahrrinne der Donau stromaufwärts.

Artikel 28.

Die im gegenwärtigen Vertrage beschriebenen Grenzen sind, soweit sie bestimmt sind, auf einer Karte im Maßstabe 1 : 1,000.000 eingezeichnet, die dem gegenwärtigen Vertrage beigeschlossen ist. Im Falle von Abweichungen zwischen Text und Karte ist der Text maßgebend.

Artikel 29.

Den Grenzregelungsausschüssen, deren Zusammensetzung durch den gegenwärtigen Vertrag bestimmt ist oder durch einen Vertrag zwischen den alliierten und assoziierten Hauptmächten und den oder einem der interessierten Staaten, bestimmt werden wird, obliegt es, diese Grenzlinien im Gelände zu ziehen.

Sie besitzen jegliche Machtbefugnis, nicht nur zur Bestimmung der als "im Gelände noch zu bestimmende Linie" bezeichneten Teilstrecken, sondern auch zur Revision der durch Verwaltungsgrenzen bestimmten Teilstrecken (außer hinsichtlich der im August 1914 bestandenen internationalen Grenzen, wo sich die Rolle der Ausschüsse auf die Überprüfung der Grenzpfähle und Grenzsteine beschränken wird), sofern einer der beteiligten Mächte eine solche Revision verlangt und der Ausschuß sie als zweckdienlich anerkennt. In diesen beiden Fällen werden sie es sich angelegen sein lassen, unter tunlichster Berücksichtigung der politischen Grenzen und der örtlichen wirtschaftlichen Interessen den in den Verträgen gegebenen Festlegungen nach Möglichkeit zu folgen.

Die Ausschüsse entscheiden mit Stimmenmehrheit. Ihre Entscheidungen sind für die Beteiligten bindend.

Die Kosten der Grenzregelungsausschüsse werden zu gleichen Teilen von den beiden beteiligten Staaten getragen.

Artikel 30.

Wenn die Grenzen durch einen Wasserweg bezeichnet sind, so bedeuten die in den Beschreibungen des gegenwärtigen Vertrages gebrauchten Ausdrücke "Lauf" oder "Fahrrinne" bei nicht schiffbaren Flüssen die Mittellinie des Wasserlaufes oder seines Hauptarmes und bei schiffbaren Flüssen die Mittellinie der  Hauptschiffahrtsrinne. Jedoch bleibt es den durch den gegenwärtigen Vertrag vorgesehenen Grenzregelungsausschüssen überlassen, im einzelnen festzusetzen, ob die Grenzlinie den jeweiligen Veränderungen des so bezeichneten Wasserlaufes oder der so bezeichneten Fahrrinne folgen oder endgültig durch die Lage des Wasserlaufes oder der Fahrrinne bei Inkrafttreten des gegenwärtigen Vertrages bestimmt werden soll.

Artikel 31.

Die verschiedenen beteiligten Mächte verpflichten sich, den Ausschüssen alle für ihre Arbeiten nötigen Belege zu liefern, insbesondere authentische Abschriften der Protokolle über die Absteckung gegenwärtiger oder früherer Grenzen, alle vorhandenen Karten im großen Maßstab, die geodätischen Daten, die durchgeführten und nicht veröffentlichen Aufnahmen, die Auskünfte über das Austreten der Grenzflußläufe.

Sie verpflichten sich überdies, die Lokalbehörden anzuweisen, den Ausschüssen alle Dokumente zu übermitteln, insbesondere die Pläne, Kataster und Grundbücher, und ihnen auf Verlangen alle Auskünfte über das Eigentum, die wirtschaftlichen Strömungen und andere nötige Informationen zu liefern.

Artikel 32.

Die verschiedenen beteiligten Staaten verpflichten sich, den Grenzregelungsausschüssen, sei es direkt, sei es durch Vermittlung der Ortsbehörden, in allem behilflich zu sein, was die zur Ausführung ihrer Aufgabe nötigen Transporte, Bequartierung, Arbeitskräfte und Materialien (Grenzpfähle, Grenzsteine) betrifft.

Artikel 33.

Die verschiedenen beteiligten Staaten verpflichten sich, den vom Ausschusse aufgestellten trigonometrischen Zeichen, Signalstangen, Grenzpfählen oder Grenzsteinen Achtung zu verschaffen.

Artikel 34.

Die Grenzsteine werden auf Sehweite voneinander aufgestellt; sie werden numeriert und mit ihrem Aufstellungsort und ihrer Nummer auf einem kartographischen Dokument verzeichnet.

Artikel 35.

Die endgültigen Grenzregelungsprotokolle, die Karten und Beilagen werden in drei Urschriften ausgefertigt, von denen zwei den Regierungen der Grenzstaaten, die dritte der Regierung der französischen Republik übergeben werden, welch letztere authentische Ausfertigungen derselben den Signatarmächten des gegenwärtigen Vertrages zugehen lassen wird.


Quellen: Sammlung der Gesetze und Verordnungen des Čechoslovakischen Staates Nr. 274/1922
webmaster@versailler-vertrag.de
© 2. Juni 2006 - 3. Juni 2006
HOME            Zurück          Top